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Interview TEND mit Max Cavalerra

Maxx Cavalerra (Electric Delicate München)

Wir haben ja „Big Pump“...

Maxx:

Schieß mal los mit den Fragen!

Tend:

Die beste Frage ist, glaube ich immer: Wie bist du zu deinem Namen gekommen?

Maxx:

Das ist eigentlich ganz einfach. Ich muß sagen, dass ich schon relativ ein bisschen krank war. Mit 9 Jahren habe ich angefangen, Deathmetal, Speedcore und alles, was böse, dunkel und mit ganz ganz tiefen Gitarrensound zu tun hatte, zu lieben. In der Band Sepultura gab es ein Bruderpaar namens Igor und Max Cavalera. Ich habe damals wie Max Schlagzeug gespielt. Mit ca. 16 Jahren kam ich dann auf die Idee, dass dieser Name interessant klingt und ich ihn so ein bisschen übernehmen könnte. Ich habe ihn aber anders geschrieben. Mich hat einmal der Booking Manager von Sepultura angeschrieben, weil er meinen Namen im Internet entdeckt hatte. Ich fragte ihn gleich, ob es irgendwelche Probleme geben könnte - aber er meinte, dass sei kein Thema, da es nicht die gleiche Musik betrifft und auch anders geschrieben wird. Der wirkliche Max veröffentlicht mittlerweile unter dem Heavy Metal Act „Soulfly“. Ganz am Anfang war ich übrigens „The Max“, was mir aber irgendwann zu blöd war. Ich dachte mir, ich brauche einen Doppelnamen, der interessanter klingt.

Tend:

Erzähl mal mehr über deine Anfangszeiten!

Maxx:

Es fällt mir gar nicht mehr so ein, wie ich auf die Idee kam, zum ersten Mal einen Plattenspieler anzurühren. Es war in Verbindung mit meinen Freunden, von denen irgendwann einmal einer die Idee hatte, ein DJ-Dasein zu imitieren. Ich war 13, als ich zu Hause den Plattenspieler meines Vaters ruinierte. Wie gesagt, spielte ich auch Schlagzeug und Keyboard und hörte Heavy Metal. Mit 12 kam ich zum Gabba. Das habe ich ein einziges Mal gehört und fand es total geil, weil es einfach etwas völlig anderes war, nur schräge Sounds, nur hart und voll krank - einfach Wahnsinn. Es war auf einem Schullandheimausflug in der 6. oder 7. Klasse. Kaum war ich zu Hause, bin ich gleich in den WOM marschiert und habe mir die 1. Rotterdam Records gekauft. Im Zusammenhang damit auch gleich ein Keyboard, weil ich dachte, dass dies die einzige Möglichkeit wäre, solche Sounds irgendwie nachzumachen. Da wusste ich natürlich noch nichts von irgendwelchen fiesen geilen Analog-Synthesisern. Und so probierte ich dann auch das Auflegen, was eigentlich sehr gut klappte, da ich durch mein Schlagzeug spielen ein gutes Taktgefühl hatte. Und so fing ich an, Hardtrance-Scheiben zu kaufen, etwas Jungle und was es halt so gab. Erst mit 15/16 haben sich dann die progressiven leicht schrägen Sounds herauskristalisiert. Und es gab dieses Set von Sven Väth, welches mich total fasziniert hat.

Tend:

Wo war das?

Maxx:

Das war im Alabama-Gelände, der erste Cocoon-Versuch überhaupt, 95 oder so. Eine Party mit Väth, (eigentlich noch Jeff Mills und Richie Hawtin) und Ralf Hildenbeutel mit seinem Projekt Earth Nation mit einem Live Drummer, der mit einem elektronischen Schlagzeug gespielt hat. Der Hildenbeutel selbst hat nur mit einem Synthie-Rack herumgezwitschert - es war Hammer! Und dann kam der Väth! Ich habe in meinem Leben noch nie so 3 oder 4 Stunden durchgetanzt, es war unglaublich. Er hat ziemlich hart gespielt, ziemlich obskur - ich dachte, einfach Wahnsinn. Und seitdem war es sowieso vorbei. Da habe ich mir gedacht, das möchte ich selber machen, irgendwie umsetzen.

Tend:

Was war seitdem dein bestes oder witzigstes Auflegeerlebnis?

Maxx:

Mein aller erstes Auflegeerlebnis war schon mal ziemlich lustig. Mit 14 habe ich in kleinen Bars und Clubs aufgelegt, was wohl jeder mal durchgemacht hat, so für 10 Leute, die was trinken, ein bisschen Sound gemacht. Mein 1. großes Erlebnis war damals im Tempel. Diese Party hieß „The Final Destination“ mit Tomcraft (damals noch TomTom). Da hab ich am Schluß aufgelegt und lustigerweise ist es geglückt. Es waren 700 Leute da und ich glaube, ich hatte noch nie vor etwas so Panik gehabt, wie vor diesem Gig. Zum ersten Mal stand ich auch 1 ½ Meter über den Leuten und sah 100e von Köpfen die alle getanzt haben, die Anlage zum ersten Mal richtig mörderlaut usw. Da bin ich durchgedreht. Allerdings ein wirklich lustiges Erlebnis hatte ich noch nicht. Dann eher schlechte Erlebnisse.

Tend:

Solche Erfahrungen muß man aber auch gemacht haben...

Was isst und trinkst du nachts?

Maxx:

Essen tu ich grundsätzlich in der Nacht irgendwie nichts. Ich versuche vor jedem Abend eine schöne und energiespendende Nahrung in mich zu nehmen, um damit eine gute Unterlage zu schaffen für den Alkohol, den ich eventuell später genießen werde. Trinken tu ich gerne - bin ein sehr vielseitiger Mensch - Bierchen. Mein Lieblingsgetränk ist Prosecco-Bull, weil es nicht ganz so süß ist, gut fit macht und nicht ganz so reinhaut. Wodka-Bull ist auch ganz gut, aber nach 4 oder 5 bist du einfach lahmgelegt. Dafür kannst du mich mit Jägermeister jagen.

Tend:

Was gibt es dann am Morgen danach?

Maxx:

Schlaf! :-))

Tend:

Und nach dem Schlaf?

Maxx:

Je nach dem Abend davor einen dicken Kopf und eine Dusche oder einen normalen Kopf und eine Dusche. Dann freue ich mich meistens auf ein richtig schönes Essen.

Tend:

Dein Lieblings-Biergarten in München?

Maxx:

Ich bin eigentlich, wenn es um die normale Standart-Tageszeit-Öffentlichkeit geht, etwas zurückgeschreckt. Ich mag nicht Einsamkeit, aber ich mag es, wenn eine dezente Auswahl (3 oder 4 Leute) von Freunden um mich sind, mit denen ich irgendwas machen kann, was weit weg vom Schuß ist. Ein Mal in den Biergarten gehen - ok. Mag ich schon. Aber ich würde es eher begrüßen, wenn wir uns ein paar Bier einpacken, ins Feld fahren und da uns zu viert oder zu fünft hinsetzen, einfach Spaß haben und da was trinken. Ich bin ein Mensch, der sehr viel Ruhe und Natur liebt.

Tend:

Na wenn man am Wochenende so viel Krach macht...

Maxx:

Allerdings. In der Ruhe liegt die Kraft! Das musste ich im Laufe meines Lebens immer deutlicher feststellen.

Tend:

Würdest du auch auf "anderen" Partys auflegen? Z.B. das Hacker-Zelt auf der Wiesn...

Maxx:

Nein. Ich denke, ich habe für mich eine gute Richtung gefunden, die generell ihr Ziel findet. Ich würde nie mein DJ-Dasein hergeben und zwei Stunden Schlager auflegen oder das Hacker-Zelt beschallen, weil ich auch das Publikum anstrebe, welches meine Musik hört und nicht für 3500 voll Besoffene gute Musik verschwenden möchte.

Tend:

Und wenn im Hacker-Zelt 3000 coole Leute drin wären?

Maxx:

Naja, wenn das ein riesiges Zelt wäre in der Größe eines Hacker-Zeltes und nicht Hacker drüber stehen würde, sondern Techno-Blablabla und die Leute da rocken würden - ich glaube, ich habe keinen größeren Wunsch, als einmal allein in einer Halle zu stehen und vor 4 oder 5000 Leuten mal richtig geil zu spielen. Das wäre der Hammer. Ich weiß einfach, dass das dann eine Party wird, die ich und auch die Leute nie vergessen werden. Aber nicht für Hacker!

Tend:

Und wenn Brot drüber steht?

Maxx:

Ja Brot ist wieder was anderes... Von der Menge würde ich es nicht abhängig machen, ich würde vor 30, 300 oder 3Millionen Leuten spielen - aber dann schon ein Publikum, welches halbwegs auf den Sound steht.

Tend:

Dein Lieblingsbrot?

Maxx:

Mein Lieblingsbrot? Schwierig. Vor allem kenne ich nicht die Namen von jedem einzelnen Brot. Ich esse Vollkornbrot sehr gerne und auch dieses normale Brot, was so der Durchschnittsmensch halt isst. Mir ist nur wichtig, dass es frisch ist.

Tend:

Als DJ-Mischmeister natürlich Mischbrot!

Maxx:

Genau. Normales Mischbrot - geile Sache! Am besten nur Butter drauf, Käse...

Tend:

Wenn wir schon dabei sind: Mischer, Mixer - was ist dein Lieblings-Haushaltgerät?

Maxx:

Mein Gamecube! Ich zocke schon mal ganz gerne.

Tend:

Dein Lieblings-Musikgerät?

Maxx:

Kann ich dir zwei Antworten drauf geben. Als ich noch mit richtiger Hardware gearbeitet habe, war es definitiv die SH 101 von Roland, ein alter analoger Bass-Synthesizer. Mittlerweile muß ich doch sagen, ist der PC an sich mit allen Softwaresachen, die es so gibt, zu meinem Studio geworden. Keine externe Geräte dazu. Damit lässt sich mindestens genauso viel machen, wenn nicht sogar mehr, als mit der ganzen Hardware. Ich habe vor 3 Jahren richtig viel Geld ausgegeben und hab im Laufe des letzten Jahres alles wieder verkauft. Der PC steht da wie eine 1 und damit mache ich auch Sound wie eine. Viel besser als ich es mit der Hardware konnte.

Tend:

Man hat auch nicht mehr so viele Kabelprobleme...

Maxx:

Es schaut natürlich nicht mehr so authentisch aus, wenn man nur noch einen Laptop und zwei andere kleine Dinger dabei hat, aber wichtig ist ja doch, was am Ende rauskommt.

Tend:

Sieht man dich auch mal live?

Maxx:

Ich habe mal mit dem Gedanken gespielt. Sollte mein Releasekonto im Laufe der nächsten 1-2 Jahre auf eine gute Zahl ansteigen und auch entsprechend Furore machen, dann denke ich schon. Ich bin aber eigentlich doch lieber der DJ.

Tend:

Kann man auch etwas besser auf die Leute reagieren.

Maxx:

Richtig. Ich gehe in der Musik besser auf.

Tend:

Wie würde dann eine Top-Performance von dir aussehen?

Maxx:

Ich würde einfach nur versuchen super Musik darzubieten. Die besten LiveActs, die ich bisher gesehen habe sahen alle wie BWL-Studenten aus, die sich völlig in irgendwas verbunkern und den heftigsten, geilsten und skurrilsten Sound machen. Ich habe Alter Ego und The Advent geshen. Das sind alles supernette Menschen, die völlig normal aussehen und keinen Schaden haben, was man verbal entnehmen konnte und spielen einfach Wahnsinns Musik. Wobei es natürlich auch das totale Gegenteil gibt, wenn man sich zum Beispiel Väth anschaut, wie der abdreht. Der hat es halt auf seine Weise geschafft, besser als jeder andere, den ich gehört habe.

Tend:

Der ist ja schon richtig alt!

Maxx:

Stimmt, für das Business ist er schon richtig alt. Nach so langer Zeit muß ich noch immer sagen: Hut ab!

Tend:

Noch etwas Big Pump?

Maxx (steckt sich Zigarette an):

Ich bin nicht der Mensch, der am gesündesten lebt, gebe ich zu. Aber ein Laster braucht der Mensch. Dafür nehme ich keine Drogen.

Tend:

Dafür gehst du ja auch gern an die frische Luft.

Maxx:

Genau.

Tend:

Also mit wem würdest du gern auflegen?

Maxx:

...also emh...mmh...das Hauptding haben wir schon durch, glaub ich.

Tend:

Wo würdest du gern auflegen?

Maxx:

Sollte es irgendwann einmal möglich sein, auf einem anderen Planeten zu spielen, dann wäre das der Wahnsinn. Ich würde genau den Sound auflegen, der in die Atmo passt.

Tend:

Und terrestrisch?

Maxx:

Ich habe viele Orte, an denen ich früher gern spielen wollte, schon hinter mir. Zum Beispiel 8.Mai, U60, Cave Club, Lahr oder Boston.

Tend:

Wie ist deine Verbindung zu Parasound?

Maxx:

Ich habe im Parasound-Plattenladen 3 Jahre lang gearbeitet. Damals fingen Oliver Morgenroth und ich auch an, Platten auf dem Parasound-Label unter dem Pseudonym „Ab 18“ zu releasen. Vor ziemlich genau 2 Jahren bin ich dann direkt vom Laden in den Club.

Tend:

Welche Frage soll ich als nächstes stellen?

Maxx:

Bitte frag mich!

Tend:

Kann ich dich auch fragend anschauen?

Maxx:

Gerne!

Tend:

Bringt nix. Ist so viel Bump eigentlich nicht schädlich?

Maxx:

Oh, es putscht mich absolut auf, aber ich versuche das mit dem Rauchen zu kompensieren. (kleiner Gag am Rande)

Tend:

Zukunft?

Maxx:

Bei Musik werde ich immer bleiben. Das mal auf jeden Fall. Sollte irgendwann einmal das DJDasein aussterben, dann werde ich mich als Produzent weiter betätigen.

Tend:

Was hältst du von Mad Max?

Maxx:

Nicht wirklich viel?

Tend:

Und Max Headroom?

Maxx:

Zu wenig gesehen. Weiß nicht.

Tend:

Deine 1. Platte?

Maxx:

Slayer / Reign in Blood :-)

Tend:

Würdest du auch mit CD’s auflegen?

Maxx:

Nee. Außer um eigenes Material zu testen.

Tend:

Final Scratch?

Maxx:

Furchtbar. Damit hat man überhaupt keine Flexibilität. Und die braucht man unbedingt im Laufe eines Abends. Und außerdem kaufe ich mir Platten, weil sie von vorn bis hinten geil sind.

Tend:

Ein Tipp für den Brot-Leser?

Maxx:

In der Ruhe liegt die Kraft!


Quelle: oderaufbrot.de